Über Morgenseiten ist schon viel geschrieben worden, doch nachdem ich nach zehnjährigem Gebrauch endlich bemerkt habe, wie sie am besten wirken, möchte ich mich auch hier noch einmal über sie verbreiten.
Morgenseiten sind eine Kreativitätstechnik, die dabei hilft, Ideen zu sammeln und besonders gegen Schreibblockaden eingesetzt wird. Erfunden hat sie Julia Cameron und berühmt wurden sie durch ihr Buch „Der Weg des Künstlers“. Im Grunde sind sie nichts anderes als eine Freewriting-Technik: Man schreibt handschriftlich drei Seiten auf, ohne den Stift abzusetzen.
Was bringt das Schreiben der Morgenseiten?
Wie gesagt, gegen Schreibblockaden wirken Morgenseiten sehr gut, doch sie sind auch für unblockierte Autoren eine gute Methode, um ihre Kreativität zu pflegen; wie Zähne putzen sollten sie zur täglichen Routine gehören. Zu den wichtigsten Vorteilen dieser Methode gehören folgende Punkte:
- Man stolpert über neue Schreibideen, und mir scheint, diese haben generell eine besonders gute Substanz.
- Man entdeckt, was man gerne tun und ausprobieren würde.
- Man findet Lösungen für sämtliche Lebensbereiche.
- Größere Klarheit und ein besserer Durchblick.
Man benötigt täglich etwa 20 bis 30 Minuten, doch das ist eine gut investierte Zeit. Nicht jeden Tag fühlt es sich nützlich an, sie zu schreiben. Manchmal enthalten die drei Seiten keinen einzigen interessanten Gedanken, aber es lohnt sich, trotzdem durchzuhalten, denn es werden wieder Tage mit fruchtbareren Seiten kommen.
Wie geht man vor?
Drei Seiten vollschreiben klingt erst einmal nach einer Menge Arbeit, doch Arbeit ist es eigentlich überhaupt nicht, denn unser Geist quatscht sowieso pausenlos vor sich hin und man macht nichts anderes, als dieses Gequatsche aufzuzeichnen.
Zu den Grundregeln gehört:
- Die Morgenseiten werden handschriftlich festgehalten.
- Man schreibt exakt drei Seiten, die etwa einer DIN-A4-Größe entsprechen. Kleinere Seiten sind nicht sinnvoll.
- Man schreibt, ohne den Stift abzusetzen. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, denn man soll nicht nachdenken, sondern den Bewusstseinsstrom festhalten. Wenn plötzlich absolute Stille im Kopf herrscht, kann man beispielsweise eine Frage wie „Was geht mir im Kopf herum?“ so lange wiederholen, bis wieder neue Wörter fließen. Es ist nicht notwendige, komplette Sätze zu schreiben.
- Was man dort schreibt, darf man nicht beurteilen und man sollte auch keinen Gedanken zurückhalten und ihn lieber nicht aufschreiben, das würde den Wert der Morgenseiten auf null reduzieren. Niemand wird diese Seiten lesen, man kann sie gleich nach dem Schreiben schreddern oder verbrennen.
Je früher desto besser
Seit 2001 schreibe ich Morgenseiten, mal monatelang jeden Tag, mal nur sporadisch. Ich habe sie zu jeder Tageszeit geschrieben, aber erst vor wenigen Wochen bemerkt, dass es mit Abstand am besten ist, sie tatsächlich genau nach dem Aufwachen zu schreiben. Wenn man gerade erst den Wecker ausgeschaltet hat, befindet man sich in einem merkwürdigen Zwischenzustand, es fühlt sich so an, als ob der Körper noch schläft, der Geist aber schon wach ist. In dieser Phase spülen Ideen und Einsichten durch mein Hirn, die natürlich weg sind, bis der Kaffee getrunken ist, in schlechten Zeiten machen sich dann aber auch schon Ängste und Befürchtungen breit. Kurz: Das ist der perfekte Zeitpunkt, um die Morgenseiten zu schreiben. Gut, im Anfang kostet es Überwindung, zu dieser frühen Stunde schon zu Bleistift und Notizheft zu greifen, aber die Resultate dieser morgendlichen Morgenseiten sind deutlich besser, als wenn man sie erst schreibt, wenn man wach, sauber und angezogen am Schreibtisch sitzt, denn dann denkt man mehr, ist rationaler und die besten Ideen sind schon zu Staub zerfallen. Je später nach dem Aufwachen man die Seiten schreibt, desto berichtender und reflektierender werden sie. Das ist für ein Tagebuch in Ordnung, die Morgenseiten werden dadurch jedoch wertlos. Ich kann nicht leugnen, dass es auch frühmorgens zu drögen Morgenseiten kommen kann, im Durchschnitt sind sie jedoch lohnender.
Welche Erfahrungen hast du mit den Morgenseiten gesammelt?
—Urheberrecht: Pia Helfferich. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin.
Hallo,
Kommentar oder Erfahrungen habe ich keine, aber eine Frage:
> Man schreibt exakt drei Seiten, die etwa einer DIN-A4-Größe entsprechen.
> Kleinere Seiten sind nicht sinnvoll.
Warum 3 Seiten? Warum DIN-A4 und nicht kleiner?
maggiyy
Hallo maggivy,
oft ist es so, dass man erst einmal den Gedankenmüll beiseite räumen muss oder sich erst mal warmschreiben muss, bevor die guten Ideen auftauchen. Wenn man ein kleines Notibuch verwendet, sind die drei Seiten voll, ehe man richtig in Schwung ist. Für die drei Seiten braucht man 20 bis 30 Minuten und das scheint eine gute Zeitspanne zu sein, um eine Wirkung zu erzielen.
Herzliche Grüße
Pia Helfferich
Ich habe früher eine Zeitlang regelmässig Morgenseiten geschrieben und es sogar eine Zeitlang zum Selbstcoaching genutzt und es war immer ein guter Einstieg in den Tag.
Am besten war es, den Block neben dem Bett zu haben und gleich nach dem Aufwachen noch im Bett zu schreiben, dann strömten die Worte oft nur heraus.
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